Enttäuschung nach abgelehntem Beschlussantrag zum “Fleischfreien Tag”

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Der jüngste Beschlussantrag der Dorfliste – Lista civica, welcher auf eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Zusammenhänge zwischen übermäßigem Fleischkonsum, Gesundheit und Klimabilanz abzielte und einladen sollte, weniger Fleisch und Fisch zu essen sowie vermehrt regionale, saisonale und biologische Produkte zu verwenden, wurde bei der letzten Gemeinderatsitzung vom 23. November radikal niedergestimmt. Dabei hatte es bei der vorangegangen Ratsitzung noch ganz danach ausgesehen, als würde der geplante Antrag auf breite Akzeptanz stoßen. Die Dorfliste -Lista civica hatte im Gemeinderat eigens vorgefühlt: Die Idee sei gut, in den Kindergarten-und Schulmensen werde aber ohnehin bereits wenig Fleisch gegessen, lautete der Tenor. Am vergangenen Mittwoch dann die Ernüchterung: Von den SVP-Arbeitnehmern hagelte es wider Erwarten heftige, in unseren Augen nicht nachvollziehbare Kritik. So war die Vizebürgermeisterin, vormals der Initiative keineswegs abgeneigt, plötzlich “enttäuscht” (?!) über die “Anfrage” (dabei handelte es sich um einen Beschlussantrag, nicht eine Anfrage!!) der Dorfliste, zumal die Stiftung Vital im Rahmen der Gesunden Gemeinde dieses Thema schon behandle (wie wenn dies ein Grund wäre, dass sich sonst niemand mehr damit auseinandersetzen darf!) und außerdem bräuchten wir eine Initiative, welche ihren Ursprung in Deutschland habe, in Südtirol nicht, denn in Deutschland werde viel Fleisch gegessen, in Südtirol nicht (die Statistiken sprechen da aber eine andere Sprache!). Andere Kollegen aus der Arbeitenehmerriege donnerten, der Beschlussantrag sei völlig überflüssig, weil in den Kindergärten und Schulen eh so wenig Fleisch gegessen werde, die Dorfliste hätte sich die Speisepläne gefälligst anschauen sollen, bevor sie unnütze Initiativen ergreife (als ob es bei dem Beschlussantrag nur um Kindergarten und Schule ginge und um sonst nichts!). Oder aber: Die Dorfliste könne ja selber die Initiative durchführen und solle den Gemeinderat bzw. den Gemeindeausschuss damit verschonen (wie wenn wir den Einfluss, die Möglichkeiten und die Mittel dafür hätten!). Den Ratskollegen von den Freiheitlichen störte die Formulierung des Antrags, inhaltlich erschien dieser auch ihm überflüssig oder gar ein Rückschritt, da nur von einem (einzigen) fleischfreien Tag die Rede sei.

Der Versuch, den Kolleginnen und Kollegen klar zu machen, dass es darum ginge, die in Kindergarten und Schule praktizierte richtige Marschrichtung einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen, zu bewerben und auf andere Bereiche zu übertragen, aber auch – ganz wichtig! – die Zusammenhänge mit dem Problem der Klimaveränderung bewusst zu machen und gezielt Sensibilisierung durch Information zu betreiben, stieß offenbar auf taube bzw. taub sein wollende Ohren. Bürgermeister Harald Stauder war einer der ganz Wenigen, welche verstehen wollten, um was es der Dorfliste – Lista civica mit dem Beschlussantrag ging, und entsprechend schön gelang es ihm, die Thematik umfassend zu umreißen. Umso verwunderlicher und jedenfalls ungewöhnlich war jedoch dann seine Ankündigung, als Privatperson bzw. einfaches Gemeinderatsmitglied und nicht als Bürgermeister für den Antrag stimmen zu wollen. Knapp vor der Abstimmung – ein bis dahin abwesender SVP Gemeinderatskollege hatte gerade den Sitzungssaal betreten – fasste der Bürgermeister dann die vorgebrachten “Gegenargumente” kurz zusammen, nicht aber die Argumentation der Dorfliste – Lista civica.

Bei der Abstimmung waren, abgesehen von der Dorfliste – Lista civica, nur der Bürgermeister (jedoch nicht als Bürgermeister, wie immer man das verstehen mag) sowie die Ratskollegen Albert Innerhofer und Gabriele Agosti für die Annahme des Beschlussantrags. Die rechte Opposition, eine Vertreterin der SVP- Landwirtschaft sowie ein Teil der SVP- Arbeitnehmer enthielten sich der Stimme, während die SVP- Wirtschafts- und Landwirtschaftsvertreter zusammen mit dem restlichen Teil der SVP- Arbeitnehmer dagegen stimmten. Die Vertreter der Wirtschaft und Landwirtschaft hatten der Diskussion schweigend beigewoht, weswegen ihre Gegenstimme umso unverständlicher erschien. Der Beschlussantrag der Dorfliste – Lista civica sah im Rahmen der Sensibilierungskampagne eigens vor, dass den einheimischen landwirtschaftlichen Produkten der Vorzug zu geben sei, was neben dem Klimaschutz auch der lokalen Wirtschaft zugute kommen würde. Aber wenn es die Opposition ist, welche sich mitunter auch für die heimische Wirtschaft und Landwirtschaft einsetzt, stimmt die Mehrheitspartei offensichtlich lieber gegen die Interessen, welche sie sonst so vehement vertritt.

Das Abstimmungsverhalten zum Beschlussantrag der Dorfliste – Lista Civica im Gemeiderat von Lana hat leider einmal mehr gezeigt, wie provinziell wir in Südtirol denken und wie wenig die wirklich wichtigen, globalen Probleme (Klimaveränderung, Ressourcenknappheit) in unserem Land wahrgenommen werden. Wie wichtig es ist, über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken und sie beim Namen zu nennen, aber auch, sich bewusst zu machen, welche Macht jede/jeder Einzelne hat, Dinge zu ändern, wenn sie/er nur will, wurde offenbar nicht erkannt. Dass es in Lana einige – durchaus sehr gute und lobenswerte – Ansätze bereits gibt, darf nicht dazu verleiten zu glauben, wir würden schon genug tun und könnten es bei diesen Ansätzen belassen: Die Thematik ist zu bedeutend, als dass sie so einfach abgetan werden kann!

3 Antworten zu „Enttäuschung nach abgelehntem Beschlussantrag zum “Fleischfreien Tag”“


  1. 1 Ernst Winkler Dezember 11, 2011 um 12:24 pm

    Glaubt ihr wirklich sinnvolle Politik zu betreiben indem ihr den Leuten vorschreibt, was sie essen sollen?
    Bald wird von euch ein Beschlussantrag kommen, dass wir keine Jeans-Hosen mehr tragen dürfen, oder was?
    Die Bürger sind mündig genug selbst zu entscheiden, was sie kaufen und was sie essen wollen!

  2. 2 Irene Dezember 11, 2011 um 1:41 pm

    Hallo Ernst,
    ja, wir sind überzeugt davon,sinnvolle Politik zu betreiben, und wenn unser Beschlussantrag wenigstens einmal vom Anfang bis zum Ende durchgelesen (!) und durchdacht (!) worden wäre, wäre zu erkennen gewesen, dass niemand zu irgendetwas gezwungen wird und wir niemandem etwas vorschreiben wollen! Aber offenbar haben die Wenigsten von den Kolleginnen und Kollegen sich die Mühe gemacht, sich mit der vorgestellten Idee auseinanderzusetzen – es ist ja auch kein einziger konstruktiver Vorschlag gekommen, wie man diese Idee anders – vielleicht auch zweckmäßiger – umsetzen könnte! Es ist das (traurige ) Los der Opposition, dass (beinahe) alles, was sie – mit wirklich gutem Willen – vorschlägt, nicht einmal die Chance einer Beachtung bekommt. Wie wichtig das in unserem Beschlussantrag angeschnittene Thema aber ist und wie bedeutend für die Zukunft, das wird sich (leider) immer deutlicher zeigen, verlass’ dich drauf! Die in der Gemeinderatsdebatte nämlich leider völlig untergegangene Klimakomponente ist von höchster Brisanz – auch wenn dies bis Lana offenbar nicht durchgedrungen ist…
    Zum Schluss, Ernst, Hand aufs Herz: Glaubst du wirklich an die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger? Klingt immer gut und populär, sowas zu sagen… aber entspricht es auch den Tatsachen?
    Nix für ungut, aber die Enttäuschung über die Diskussion im Gemeinderat sitzt bei mir noch recht tief.
    Eine besinnliche Adventszeit wünscht Verena

  3. 3 Winkler Ernst Dezember 16, 2011 um 10:01 am

    Hallo Irene

    ich wurde darauf hingewiesen, dass ich in eurem Blog einen Kommentar verfasst hätte. Der Beitrag wurde nicht von mir verfasst, es gibt in Südtirol nur zwei Ernst Winkler und ich glaube der andere Ernst Winkler, der im Gadertal lebt, wird sich kaum um unsere Gemeinde Lana kümmern.

    Schicke mir bitte die Daten, die ihr habt, von dem Blog-Schreiber der so gerne meine Person wäre.

    Ernst Winkler


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